Die Kunst des Anziehens
Das Anlegen eines Kimonos ist eine Kunst, die ganz bestimmten Regeln folgen muss. Um den Kimono in eine alltagstaugliche Form zu bringen, wird er um den Körper gewickelt. Dabei muss grundsätzlich immer die linke Seite über die rechte gelegt werden. Der Gürtel, der die Breite einer Schärpe aufweist, hält das Kleidungsstück zusammen und wird im Rücken geknotet. Ursprünglich gab es den Kimono für Frauen nur in einer Größe. Je nach Figur der Trägerin wird er mehr oder weniger stark geklemmt und gefaltet, damit er sich entsprechend anpasst. Im modernen Japan gibt es inzwischen Kimonos in unterschiedlichen Größen, sowohl für Männer als auch für Frauen.
Für Frauen ist es nahezu unmöglich, einen traditionellen japanischen Kimono ohne fremde Hilfe anzuziehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein Kimono für die Frau aus vielen einzelnen Stücken besteht, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise angelegt werden müssen. Zwölf und mehr einzelne Teile sind dabei keine Seltenheit. Im Gegensatz dazu war das Ankleiden für die japanischen Männer wesentlich einfacher. Ein Männerkimono besteht in der Regel aus höchstens fünf Teilen, die durch Socken und Sandalen ergänzt werden. Da der traditionelle Kimono für die Frau auch im modernen Japan nicht aus der Mode wegzudenken ist, hat sich der Berufsstand der Kimonoanlegerinnen bis heute erhalten. In der Regel arbeiten sie in Friseursalons oder Kosmetikstudios, aber sie machen auch Hausbesuche, um ihren Kundinnen in deren gewohnter Umgebung zu assistieren. Es ist notwendig, dass Kimonoanlegerinnen eine Lizenz erwerben, die sie als Mitglied des Berufsstandes der Kimono-Anlegehilfen ausweist.
In der Öffentlichkeit werden Kimonos in Japan heute kaum noch getragen. Lediglich Geishas verzichten auch heute nicht darauf, in der Öffentlichkeit traditionell gekleidet zu sein. Darüber hinaus sind es überwiegend die älteren Frauen und Männer, die auch in der Gegenwart und im Alltag nicht auf das Tragen des Kimono verzichten. Zu einem traditionellen japanischen Frauenkimono gehören neben dem schärpenartigen Gürtel und eventuell einer passenden Kimonotasche auf jeden Fall einige wichtige Utensilien unbedingt dazu. Die Netsuke, eine Holzpuppe und Getas, die Holzsandalen gelten genauso als unverzichtbar wie passender Schmuck. Professionelle Sumoringer in Japan hingegen wurden seit jeher verpflichtet, bei jedem öffentlichen Auftritt in einem traditionellen Kimono zu erscheinen. Dabei gibt es inzwischen, genau wie bei den Stoffen für die Kimonos, zahlreiche Variationen in Farben, Formen und unterschiedlichen Materialien für jedes Accessoire zum Kimono.
Da Kimonos heute überwiegend nur noch zu besonderen Anlässen getragen werden, ist die Kunst des Anziehens etwas, dass junge Japaner und Japanerinnen erlernen müssen. In Japan gibt es deshalb spezielle Lehrmeister, bei denen man das Anlegen eines traditionellen Kimono in diversen Unterrichtsstunden erlernen kann. Dieser Unterricht beschränkt sich nicht ausschließlich auf das Anziehen, sondern beinhaltet verschiedene Themen. So wird dem Kimonoträger beigebracht, nach welchen Kriterien er den Stoff und die Muster aussucht, die häufig je nach Jahreszeit unterschiedlich ausfallen. Außerdem bekommt man Unterstützung bei der Auswahl der passenden Unterbekleidung und der notwendigen Zubehörteile. Nicht zuletzt werden die Schüler auch darin unterrichtet, wie der Obi, der schärpenartige Gürtel, korrekt gebunden wird. Der überwiegende Anteil von Schülern ist weiblich, da Männer im modernen Japan einen Kimono nur noch zu Hochzeiten, zur Teezeremonie und bei einigen Sportarten, wie zum Beispiel Kendo, tragen.














